{"id":1237,"date":"2024-02-11T15:05:53","date_gmt":"2024-02-11T14:05:53","guid":{"rendered":"http:\/\/oktaneum.zenon-design.de\/?p=1237"},"modified":"2025-04-17T23:52:03","modified_gmt":"2025-04-17T21:52:03","slug":"lampengitterfieber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oktaneum.de\/index.php\/2024\/02\/11\/lampengitterfieber\/","title":{"rendered":"Lampengitterfieber"},"content":{"rendered":"<span class=\"rt-reading-time\" style=\"display: block;\"><span class=\"rt-label rt-prefix\">\u231a <\/span> <span class=\"rt-time\">9<\/span> <span class=\"rt-label rt-postfix\">Minuten<\/span><\/span><h1>&nbsp;<\/h1>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Das Rolltor geht von innen auf.<\/h1>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Die gut versteckte Halle im s\u00fcdlichen M\u00fcnsterland bietet eine ideale Kulisse f\u00fcr einige historische Wettbewerbs-Fahrzeuge aus dem Rallye-Sport. Eine unglaubliche Anzahl an Pokalen und bunten Rallye-Schildern fangen das Sonnenlicht ein. Es m\u00fcssen hunderte sein.&nbsp;<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\">&nbsp;<\/h3>\n<h3 style=\"text-align: center;\">Der Grandsigneur der Nordrhein-Westf\u00e4lischen Rallye-Szene, Oldtimer-Fahrer und Motorsport-Organisator, Wolfgang Grothuesmann, gibt uns die Ehre f\u00fcr ein Interview.<\/h3>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Aber ehrlich gesagt interessiert mich das gerade sekund\u00e4r, denn ich habe erst einmal nur Augen f\u00fcr die Autos. Der sympathische, drahtige Mann mit den vielen Lachf\u00e4ltchen kennt das schon und wirft erst einmal die Kaffeemaschine an. Einer der Rennmotoren w\u00e4re mir gerade lieber&#8230; W\u00e4hrend die Maschine zischt und Kaffeeduft verbreitet, atme ich f\u00fcnfzig Jahre Motorsport ein.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Hallo Wolfgang, sch\u00f6n dich mal wieder zu sehen. Deine Auto-Sammlung auch. Du bist ja praktisch ein Urgestein der Rallye-Szene. Wie kam es eigentlich dazu?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann. Hallo und herzlich willkommen. Ja, da muss ich nicht lange nachdenken. Kurz nach meiner F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung im Jahr &#8217;63 &#8211; es gab ja&nbsp;damals&nbsp;f\u00fcr mich gar keinen Zweifel daran, dass ich super fahren konnte &#8211; zerlegte ich den K\u00e4fer meiner Tante nach alles Regeln der (nicht vorhandenen) Kunst. Und zahlte ihn dann r\u00fcckwirkend und \u00fcber einen relativ langen Zeitraum ab. Das tat weh, daher wollte ich so etwas nicht wieder erleben und beschloss, nie wieder zu fahren oder eben das Fahren richtig zu lernen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Du hast dich f\u00fcr Letzteres entschieden und das hat ja anscheinend ganz gut geklappt. Hast du noch im Kopf, wie das mit dem K\u00e4fer passiert ist?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Na klar, ich habe \u2026 (sagt: \u201eHast du mal einen Stift, ich zeichne es dir auf.\u201c) \u2026 in der Kurve zu weit aufgemacht, das war Problem Nummer eins. Problem Nummer zwei war, dass ich die falsche Sitzposition hatte und das Lenkrad mit beiden H\u00e4nden direkt nebeneinander hielt, so ging mir die Kurve aus, obwohl noch genug Fahrbahn da war. Vermutlich war ich auch etwas zu schnell. Dann flog ich ab.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Ist es dir denn noch einmal passiert, dass du einen Unfall hattest, ohne dass es wirklich n\u00f6tig war?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Ja.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Aha.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: \u201eDu willst wahrscheinlich wissen, weshalb.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Unbedingt.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: \u201eIn Ordnung. 1981 waren wir auf der letzen Wertungspr\u00fcfung einer Rallye. Wir f\u00fchrten mit meinem Carrera und mit unglaublichen f\u00fcnf Minuten Abstand das Feld an und es lagen nur noch drei Kurven vor uns. Ein Spaziergang. Wir h\u00e4tten sogar noch mal ganz arrogant anhalten und uns die Beine vertreten k\u00f6nnen. Statt das zu tun, oder gem\u00fctlich ins Ziel zu fahren, dachte ich nur f\u00fcr einen kurzen Moment \u00fcber den bevorstehenden Sieg nach, konzentrierte mich nicht mehr richtig und flog mit meinem Carrera ab.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: \u00dcbel oder nur \u00e4rgerlich?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: (lacht) Beides. Nachdem wir uns f\u00fcnfmal \u00fcberschlagen hatten h\u00f6rte ich auf zu z\u00e4hlen, das Auto war ziemlich hin, landete aber auf den R\u00e4dern und fuhr noch. Ist eben eine Porsche. Nachdem wir alle Teile und uns selbst gesammelt hatten, ging es im Kriechgang auf die Strecke zur\u00fcck. Wir w\u00e4ren noch Gesamt-Dritter geworden. Weil wir aber nur ins Ziel gekrochen sind, fuhren wir ohne Helm &#8211; und wurden v\u00f6llig zurecht disqualifiziert. Verr\u00fcckt irgendwie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Na ja, heute w\u00e4ren das wohl kaum abzuhaltende Schmerzen (ich meine das Auto), damals war das Auto ja eher noch Gebrauchtwagen als Sammlerst\u00fcck. Ein Gl\u00fcck. Hast du ausschlie\u00dflich Porsche gefahren oder auch andere Fabrikate?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Ich habe&nbsp;unterschiedliche Fabrikate auf den Rallyes gefahren. Angefangen von NSU TT und TTS so etwa um 1966 herum. Darauf folgten Alfa-Romeo Giulia 1300 GTA, Ford Escort Twin Cam 1600 und schlie\u00dflich Porsche 914. Der war allerdings sehr ausfallfreudig k\u00f6nnte man sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<hr>\nngg_shortcode_0_placeholder\n<hr>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Und trotzdem bist du der Marke treu geblieben?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Nicht ohne Unterbrechung, aber grunds\u00e4tzlich ja. Nachdem ich 1969 bei der Rallye Hanseatic in Hamburg beim \u00f6rtlichen VW-H\u00e4ndler noch die Technik retten lie\u00df, wuchs in mir der Wunsch, die regelm\u00e4\u00dfig auftretenden Probleme selbst zu beherrschen. Zumal wir auf der Rallye wieder mit einem technischen Defekt ausfielen. Und so kam es, dass ich mir die F\u00e4higkeiten dazu aneignete. Das war bei vielen Eins\u00e4tzen wertvoll. Und langfristig auch die einzige M\u00f6glichkeit. Denn neben der Strecke hatte ich ja noch ein Berufsleben und kein Werksmaterial zur Verf\u00fcgung. Der<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp; <\/span>Verschleiss war eben auch ein Thema. Um fahren zu k\u00f6nnen musste ich die Technik nicht nur beherrschen, sondern auch verstehen. 1971 startete ich dann auf einem 69er Porsche 911T und im Laufe der Zeit konnte ich, zun\u00e4chst mit der Hilfe von Freunden, Motoren aufbauen und verfeinern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Was f\u00fcr Autos bist du noch gefahren?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: 1973 startete ich auf Renault Alpine A110 Gruppe 3. Ein tolles Auto, wieselflink und mit 110 PS am Anfang auch stark genug. Dann kamen die RS 2,7 auf die Rallye-Strecken. Die sind uns dann um die Ohren gefahren. Bis wir auch auf Carrera 2,7 umgestiegen waren, damit waren wir wieder sehr konkurrenzf\u00e4hig, k\u00f6nnte man sagen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Wie gro\u00df ist denn der Unterschied zwischen einem 911 T und einem RS im Wettbewerbsmodus? (\u2026 Was f\u00fcr eine einf\u00e4ltige Frage, alleine bei 110 zu 210 PS)<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: (runzelt die Stirn, vermutlich aufgrund der einf\u00e4ltigen Frage) Die Autos sind nat\u00fcrlich von der Leistung her \u00fcberhaupt nicht zu vergleichen und au\u00dferdem ist der RS leichter. Bei den Bremsen und dem Fahrwerk sind es allerdings auch Welten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Wie dr\u00fcckt sich das denn beim Fahrwerk aus?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Kann ich dir sagen, aber das darfst du auf keinen Fall schreiben: also, den Unterschied beim Fahrwerk merkte ich sp\u00e4testens bei meinem Co im Cockpit. Dem wurde beim tendenziell weichen Fahrwerk und den wesentlich gr\u00f6\u00dferen Wankbewegungen des \u201eT\u201c schlecht. Und zwar immer. Wir haben alles probiert: mit Pille gegen \u00dcbelkeit, ohne Pille, mit Fr\u00fchst\u00fcck, ohne Fr\u00fchst\u00fcck. Ging nie gut. Nicht ein einziges Mal. Irgendwann waren wir so weit, dass er sich nur noch beim Stempeln an den Wertungspr\u00fcfungen \u00fcbergeben musste. Also praktisch ohne Zeitverzug. (lacht) War halt ein knallharter Kerl. Wir haben viel Spass gehabt. Der RS musste also kommen und kam dann auch.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Das klingt so, als w\u00fcrdest du am Lenkrad nichts anbrennen lassen.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: (schaut verschmitzt) Unser Motto in den Siebzigern war: wenn wir fahren, fahren wir vorne und sonst gar nix.\u201c Das hat nat\u00fcrlich nicht immer, aber schon regelm\u00e4\u00dfig geklappt. Man muss im Rallye-Rallye-Sport die Werksfahrer von den Amateurfahrern, zu denen ich immer geh\u00f6rt habe, grunds\u00e4tzlich trennen. Wie in vielen anderen Sportarten gilt diese Trennung auch hier, es sei denn man verf\u00fcgt \u00fcber unbegrenzte Mittel. Nat\u00fcrlich habe ich auch (teures) Lehrgeld bezahlt, aber besonders oft h\u00e4tte ich das nicht machen k\u00f6nnen, dazu war und ist das Material zu teuer, oder zu wertvoll. Es war sicherlich immer eine zus\u00e4tzliche Herausforderung, gleichzeitig m\u00f6glichst materialschonend am Limit zu fahren<\/p>\n<p><span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp; &nbsp;<\/span><\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Was brachten die 70er Jahre noch?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Zun\u00e4chst einmal ein anderes, zus\u00e4tzliches Auto. Mit einem anderen Fahrzeugkonzept kann man sagen. Ein Audi 80 mit Frontantrieb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: \u201eEin Audi 80? Neben einem Carrera RS?<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Jawohl. Und es war ein sehr gutes Wettbewerbsfahrzeug zur damaligen Zeit. V\u00f6llig unkomplizierte Technik, preiswerte Teile, hart im Nehmen. Ich hatte sogar erstmals einen Sponsor (L\u00f6wensenf), der dem Audi den Spitzname \u201eSenft\u00f6pfchen\u201c einbrachte. Bei den seriennahen Fahrzeugen der Gruppe 1 war der 80er sogar wirklich wettbewerbsf\u00e4hig. Zumindest, was die Golf GTI Und Werks-Toyota anbelangte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Und in den 80ern war welches Auto das Richtige?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Mittlerweile war Allrad angesagt. Ich schaffte einen Audi 80 Quattro an und setze ihn parallel zum Carrera ein. Trotz Serienn\u00e4he (Gruppe-G) war der auf Schotter unschlagbar, obwohl das Auto wirklich schwer war und enge Kurven gar nicht mochte, auch weil der Wendekreis viel zu gro\u00df war. Aber man konnte 200 &#8211; 300 Meter vor engen Kurven den vorderen Antrieb abschalten und fein um die Kurven driften. Auch brauchte man Platz, weil das Serienauto immer seitlich fuhr, also nicht \u00fcbersteuernd, sondern wirklich seitlich. Man musste ihn entweder aufschaukeln, oder er fuhr einfach \u00fcber die L\u00e4ngsachse. Bei Rallyes mit dem Schwerpunkt Asphalt fuhren wir weiterhin Porsche, beide Fahrzeuge in der Gruppe 1.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Gab es noch mehr Quattro in deinem Rallye-Leben?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Das k\u00f6nnte man sagen, blo\u00df klang der Name nicht mehr nur italienisch, sondern auch die Marke. Der Lancia Delta Integrale wurde meine Wahl. Das war die Macht zum Ende der 80er Jahre. Traktion ohne Ende aber trotzdem agil, nicht so kopflastig wie der Audi. Und mit sehr viel Luft nach oben, was die Leistung betraf.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: War der Umstieg auf Lancia gut f\u00fcr dich&nbsp;und deine Karriere?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Das war schon ein sehr gutes Auto, die Technik war aber weniger robust als beim Audi. Den Quattro hatten wir einmal mit deutlich h\u00f6rbarem Lagerschaden im Motor \u00fcber die letzen zwei Wertungspr\u00fcfungen gepr\u00fcgelt, sind danach auf eigener Achse nach Hause gefahren und konnten den Antrieb bis zum Saisonende notd\u00fcrftig am Leben erhalten. Bei voller Leistung und im Einsatz nat\u00fcrlich. Erst dann haben wir den Motor neu aufgebaut. Das geht nicht bei allen Autos. Au\u00dferdem waren die Lancia-Werksfahrer st\u00e4ndig mit edelsten Teilen ausgestattet und die Kisten hatten viel mehr Leistung. Mir sagte mal ein Lancia-Mechaniker in einer Werkstatt voller Werksteile, ich solle mal die (komplette) Auspuffanlage eines Integrale f\u00fcr ein Gruppe-A Werksfahrzeug auf dem Regal holen. Normalerweise ein schwerer Brocken. Aber diese war komplett aus Magnesium, ich konnte sie mit einem Finger anheben. Mit solchem Material bei den Kundenfahrzeugen w\u00e4ren so viel mehr gute Platzierungen m\u00f6glich gewesen. Das war auf Dauer eine Frage des Kapitaleinsatzes, obwohl es sportlich gesehen eine erfolgreiche Zeit war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Ist das Reglement oder die Rennleitung mal dein Problem gewesen?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Eigentlich nicht. Obwohl, einmal hatten wir ein zu leises Auto. (lacht)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Das kann ja eigentlich nur ein Scherz sein, oder?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Doch, ehrlich. Auf der Rothmanns BAC Rallye 1990 hat sich die Technische Kontrolle halb totgelacht, weil unser &#8222;RS&#8220; so leise war. Die sagten, wir m\u00fcssen ja verr\u00fcckt sein. Bei Wertunsgpr\u00fcfungen durch die D\u00f6rfer w\u00e4re es f\u00fcr alle Beteiligten lebensverl\u00e4ngernd, das man Rallye-Fahrzeuge h\u00f6rt, <em>bevor<\/em> man sie sieht. Seitdem fahre ich Autos, die man definitiv h\u00f6rt. Aus Sicherheitsgr\u00fcnden. (zwinkert)<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Welchen Eindruck hast du von den ehemaligen Profi Fahrern, wie Walter R\u00f6hrl gewonnen?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Die sind nat\u00fcrlich etwas talentierter als ich. (lacht). Aber auch ziemlich entspannt. Als mir \u00b476 einmal beim Training eines Laufes zur Europameisterschaft, der Boucl\u00e9 de Spa in Belgien, die Strecke im Audi ausging und ich festgefahren halb im Schnee hing, warf neben uns ein Rallye-Fahrzeug aus voller Fahrt den Anker. Als der Schneestaub verflog, stand da ein Typ neben einem Saab 99 EMC, der uns wortlos ein Seil mit Karabiner zuwarf. Um uns herauszuziehen und anschlie\u00dfend wortlos und mit Vollgas wieder zu verschwinden. Einfach so. Ein echter Ehrenmann namens Stig Blomqvist. (sp\u00e4terer Gesamtsieger dieser Rallye und WRC-Rallye-Weltmeister 1984 und Vize-Weltmeister 1985, Anmerkung der Redaktion.)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Neben unz\u00e4hligen Siegen, gibt es auch Niederlagen, die dich bewegt haben?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Da erinnere ich mich an eine Situation bei der Welfen-Rallye 1994. Wir fuhren die Rallye unseres Lebens. Alles passte. Und, wir hatten die beiden Favoriten, zwei Opel Manta 400 den ganzen Tag \u00fcber im Griff. Das waren zwar keine Werksautos, die gab es damals schon nicht mehr, aber die von Heinbach betreuten Opel waren ad\u00e4quat und somit im Vorteil. Wir f\u00fchrten bis zur letzten Sonderpr\u00fcfung, einem Rundkurs auf dem VW-Werksgel\u00e4nde. Man konnte merken, dass die Fans an der Strecke uns im Carrera die Daumen dr\u00fcckten. Die Heinbach Mannschaft tauschten die Getriebe und &#8230;..offenbar fanden sie auch noch Leistung. Nur hatten wir technisch alles gegeben. Das Auto war am Limit, die Mittel waren lange ausgesch\u00f6pft. So fuhren wir weiter wie bisher, nur angespannter als vorher. Zwar machten wir keinen Fehler, aber pl\u00f6tzlich war nach der letzten Pr\u00fcfung unser Vorsprung dahin. Wir waren nur noch Dritter! Auf den ersten 400er verloren wir 5 Sekunden, mit dem Zweiten waren wir noch zeitgleich. Aber aufgrund des Reglements (schnellere Zeit in der ersten Wertungspr\u00fcfung) wurde dieser vor uns zweiter, und wir hatten das Nachsehen &#8211; und haben die Welt nicht mehr verstanden.<br \/>\nEin Jahr sp\u00e4ter wollten wir diese Schlappe nat\u00fcrlich ausgleichen. An Motivation hat es jedenfalls nicht gefehlt. Aber gleich in der ersten WP, einem Zuschauerrundkurs, explodierte der Motor. Ein Pleuel war abgerissen. Wir h\u00e4tten vorher anl\u00e4\u00dflich einer Motorrevision alles erneuern m\u00fcssen, aber als Privatteam ist das nicht immer m\u00f6glich.&nbsp;Trotzdem, unser Porsche war wieder Publikumsliebling. Einige Zuschauer, die vermutlich unsere Vorgeschichte aus \u00b494 kannten, haben Tr\u00e4nen vergossen, als wir unter \u00d6lqualm \u201eausrollten\u201c. Soviel Mitgef\u00fchl von Fans habe ich nie wieder erlebt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Wann wurdest du vom Rallye-Treiber zum Gentleman-Driver?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Danke. Nat\u00fcrlich wurde es ein wenig ruhiger mit der Zeit, obwohl mich immer wieder der Ehrgeiz gepackt hat. Als wir nach einigen ruhigeren Jahren mal wieder eine Veranstaltung, die Stahlrallye in Peine gemeldet hatten, kannte uns dort gef\u00fchlt niemand. Erst einmal. Nach gewonnenen Wertungspr\u00fcfungen und dem Gesamtsieg schon. Aber tendenziell wurde es schon ruhiger. Ich fing vielleicht auch etwas zu viel an zu denken, wie wertvoll das Auto ist, was man eigentlich von einem Sieg hat und so weiter. Au\u00dferdem kannte ich meine Grenzen mittlerweile nur zu gut.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Welche Grenzen meinst du?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Alle. Zum Beispiel war mir klar, dass ich durch pr\u00e4ziseres Lenken gravierend Zeit gewinne. Also f\u00fcr ich auf Porsche 964 RS Slalom-Rennen, die mir eigentlich gar nicht so viel Spa\u00df machten. Aber ich wurde pr\u00e4ziser und damit schneller. Gleichzeitig wurde mir das Risiko bewusster, ein normaler Vorgang, der mit der Zeit kommt, denke ich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Was hast du daraus gemacht und was machst du heute am liebsten?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Irgendwann habe ich \u00fcberlegt, welche Autos mir wirklich etwas bedeuten. Allen voran war das der Porsche 911 RS 2,7, der mich \u00fcber viele Jahre und bis heute begleitet. Ein faszinierendes Auto mit einer unglaublichen Power.<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span>F\u00fcr die Oldtimer-Rallyes ist es ein Porsche 356 SC. Ein bisschen leichter und mit vielleicht etwas mehr Dampf w\u00e4re der SC sicher besser, aber er macht auch so Spa\u00df. Auch das Mitorganisieren von Motorsport-Veranstaltungen geh\u00f6rt seit vielen Jahren dazu und macht mir Freude. Mittlerweile schraube ich in meiner Halle genauso gerne, wie ich fahre. H\u00e4tte ich fr\u00fcher nie gedacht, ist aber so.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Du bist ja schon \u00f6fter im Oktaneum gewesen&nbsp;und hast zum&nbsp;Beispiel unseren Classicday im vergangenen Jahr mitgefahren. H\u00e4ttest du Lust, den Oktanauten bei&nbsp;Gelegenheit zu erz\u00e4hlen, wie man ein Rallye Auto&nbsp;m\u00f6glichst&nbsp;optimal f\u00e4hrt? Hacke\/Spitze, Ideallinie, Anbremsen\/Herausbeschleunigen&nbsp;und solche Dinge?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Klar, kein Problem. Dann bringe ich ein passendes Auto mit. (im Gesicht pl\u00f6tzlich wieder ganz viele Lachf\u00e4ltchen&#8230;) Zum Erkl\u00e4ren und so.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Cool, das wird ein&nbsp;interessanter Abend. So, drei Fragen zum Schluss:<span class=\"Apple-converted-space\">&nbsp;<\/span><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Schie\u00df los \u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Luftgek\u00fchlt oder wassergek\u00fchlt?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Luftgek\u00fchlt<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Rennstrecke oder Schotterpiste?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Schotter-Rennstrecke<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Tempolimit, oder &#8230;?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wolfgang Grothuesmann: Kann ich Frage Eins noch mal h\u00f6ren?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Oktaneum: Dankesch\u00f6n f\u00fcr das Interview, bis demn\u00e4chst im Oktaneum!<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h6 style=\"text-align: center;\"><strong>Ein Interview von: Arndt Hovestadt &nbsp; &nbsp;Fotos: Wolfgang Grothuesmann, Philipp Stadtmann<\/strong><\/h6>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n ","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&nbsp; Das Rolltor geht von innen auf. &nbsp; Die gut versteckte Halle im s\u00fcdlichen M\u00fcnsterland bietet eine ideale Kulisse f\u00fcr einige historische Wettbewerbs-Fahrzeuge aus dem Rallye-Sport. 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