Es ist Zeit, einen Chronographen zu bauen. Teil 2.
5 Minuten

Die Oktamatic.
Mechanik fürs Auge.

 

Das Uhrwerk, das Gehäuse, die Gläser

und die Lünette im Original. 

 


Es ist an einem Mittwochabend im Sommer. Wir machen es uns am massiven Uhrmachertisch von Peter Schulte in Münster bequem. Feinwerkzeuge aller Art stehen parat. Im Regal drehen Uhrenbeweger schöne Handaufzug- und Automatik-Uhren verschiedener Hersteller, um die Funktion und Ganggenauigkeit über längere Zeiträume zu überprüfen. Wie eigentlich immer ist auch etwas Seltenes dabei. Eine Omega Flightmaster aus Anfang der siebziger Jahre im Traumzustand ist eben aus der „Werkstatt“ in den Laufmodus gegangen. Es ist ein besonderer Tag, denn wir halten nach dem Auspacken nun zum ersten Mal das originale Gehäuse der Oktamatic in der Hand. Uhren-Spezialist Schulte ist in seinem Element. Wenn er über den Chronographen spricht, leuchten seine Augen wie Rubine.

 

Peter Schulte: “das Gehäuse ist exakt so gebaut, wie wir es in Auftrag gegeben haben, ich bin sehr zufrieden mit dem Material, der Qualität und der Optik“. Ja. Wir auch. Das Ergebnis übertrifft unsere Erwartungen in allen Punkten.


Die Aufgabe und die Umsetzung.


Welche Ziele werden bei der Umsetzung verfolgt? Automatische Chronographen sind schließlich nicht nur technisch interessant, sie besitzen mindestens zwei weitere unverzichtbare Merkmale: eine meist zeitlose, klassische Optik und robuste Materialien. Die Kunst liegt darin, beides in Einklang zu bringen. Natürlich muss das Design auch beim Gehäuse stimmig sein, Funktion und Alltagstauglichkeit sind jedoch genauso wichtig. Schließlich wird eine mechanische Uhr für die Ewigkeit gebaut und dafür muss sie nicht nur etwas, sondern fast alles aushalten können. Obwohl dem Motorsport so nahe, kommt es dabei nicht unbedingt auf filigranen Leichtbau an, sondern eher auf einfaches Handling im Einsatz, zum Beispiel mit Handschuhen und bei großer Kälte oder Hitze.


Sie wird für den harten Einsatz gefertigt.


Und dafür kommt es immer auf das Material an. Letztlich sind Keramik, Edelstahl und gehärtetes Glas so robuste Materialien, dass die Uhr im Einsatz auch Kratz- und Schlagfest ist und grobe Stöße wegsteckt – und das bei uneingeschränkter Präzision. 

Peter Schulte: “Die Oktamatic wird sicher kein Leichtgewicht. Das ist auch nicht das Ziel. Wir peilen ein Tragegewicht von etwa 180 Gramm an.“ Damit spielt sie auch vom Gewichtsniveau her in einer Liga mit vergleichbaren Chronographen von Sinn, Breitling oder Omega.

 

 

 

 

 

Die Optik und die Materialien

 


Edelstahl. Der Alleskönner.


Die Bezeichnung Edelstahl trifft auf all jene Metalle zu, die einen besonders hohen Reinheitsgrad besitzen. Nachhaltig für die Ewigkeit: für die Uhren-Produktion wird der Edelstahl häufig aus Altmetall gewonnen – dieses wird erhitzt und verflüssigt. Immer wieder, denn um den gewünschten Reinheitsgrad zu erhalten, wird umgeschmolzen. So lange, bis der Werkstoff rein und makellos ist.

Das erkaltete Metall kann nach dem Formgießen nur mit äußert leistungsfähigen Werkzeugen bearbeitet werden. Bei der aufwendigen Finish-Politur wird das Gehäuse feingeschliffen und erhält somit seinen Schutz und natürlich den makellosen Glanz. Die Drücker und die Krone sind wie der Rest der Uhr wasserdicht. Sie erfüllen eine Funktion, auf die sie optisch reduziert sind und fügen sich harmonisch in das Gehäuse ein. 


Die Lünette.


Die Oktamatic besitze eine Tachymeter-Skala aus extrem widerstandsfähiger Keramik, ein ausdrücklicher Materialwunsch von Peter Schulte. Der Hersteller Rado hat diesen Werkstoff für Uhren geprägt. Schon Anfang der sechziger Jahre kam mit der DiaStar 1 die erste kratzfeste Uhr auf den Markt, was einer Sensation gleichkam. Bis dahin war das exotische Material vor allem durch den Einsatz in der Raumfahrt bekannt. Die Keramik wird aus dem Pulver von Titankarbid oder Zirkonoxid gewonnen. Es wird in die entsprechende Form gedrückt und anschließend im Sinterofen bei hoher Temperatur gebrannt. 

Peter Schulte: „Die Farbe der Lünette ist schwarz, durch den Spiegeleffekt wirkt die Fläche jedoch wie ein sehr dunkles Grau. Diesen Ton sollten wir so exakt wie möglich im Zifferblatt wiederholen.“ 


Die Funktion der Lünette.


Der Begriff Tachymeter ist aus einer Kombination der beiden altgriechischen Wörter tachýs und métron entstanden, die schnell beziehungsweise Maßstab oder Maß bedeuten. 

Peter Schulte: „Beim Tachymeterring einer Uhr handelt es sich eher um ein Hilfsmittel zum Schätzen von Geschwindigkeiten, als um ein exaktes Messgerät.“ 

Für eine präzise Messung der aktuellen Geschwindigkeit ist der vom Namen her stark verwandte Tachometer das Maß der Dinge. Er zeigt zwar jeweils die momentan gefahrene Geschwindigkeit an, doch diese variiert während der Fahrt oftmals stark, beispielsweise auf kurvenreichen Strecken, wenn häufig abgebremst und wieder beschleunigt werden muss. Also genau dort, wo das sportliche Fahren am meisten Spaß bringt. Hier bietet die Tachymeter-Skala brauchbare Daten, beispielsweise in Verbindung mit einem Tripmaster bei Oldtimer Rallyes. 


Saphirglas, der magische Begriff bei Uhrengläsern.


Es gilt als fast unzerkratzbar – im Alltag kann eigentlich nur Beton oder Diamant dem Saphirglas etwas anhaben. Die Fertigung ist aufwendig und kostenintensiv. Der synthetische Saphir wird auf der Basis von Tonerde hergestellt. Die Fusion erfolgt bei über 2000° Celsius und unter Beigabe von Wasserstoff und Sauerstoff. Zur anschließenden Stabilisierung der Materie werden die Steine danach nochmals auf 1800° Celsius erhitzt. Und dann? 

Peter Schulte: „Mit einer Präzision von zwei Hundertstel Millimetern wird das Glas per Diamantschneider auf den passenden Durchmesser geschnitten. Danach kommt die Oberflächenbearbeitung, also das Schleifen der Glasdicke. Erst dann erhält das Glas die „bombierte“ (abgerundete) Form.“

Die Oktamatic erhält zusätzlich zum Glas auf der Oberseite einen Glasboden, durch den die Mechanik des automatischen Aufzugs und das Uhrwerk sichtbar ist. 

Peter Schulte: „Was haltet ihr von der Idee, einen „Fueldrop“ auf den Rotor zu gravieren, vielleicht zusammen mit der Seriennummer der limitierten Chronographen von 1 bis 16.“

Ja, das finden wir ausgesprochen gut. Zur Erinnerung: es wird 16 Exemplare der Uhr geben, passend zum Entstehungsjahr des Oktaneums 2016.


Was als nächstes passiert.


Zurzeit arbeiten wir an der anspruchsvollen Umsetzung des Zifferblatts und der Auswahl der Zeiger in den vier geforderten verschiedenen Größen. Wie schon im Teil Eins des Specials beschrieben, soll sowohl die kleine Minute und Sekunde auf Neun und Drei Uhr (rund vertieft) als auch die Stundenstriche und das Logo (erhöht) dreidimensional umgesetzt werden. Und damit wird verraten, dass die Oktamatic keine arabischen oder römischen Zahlen als Indexe (oder Indizes) bekommen wird. Den Uhren-Connaisseur verwundert das vermutlich eher nicht, denn nicht zuletzt in Absprache mit den an der Entwicklung interessierten „Oktanauten“ war eine möglichst ruhige Optik von Anfang an das Ziel.

Zur Erinnerung: das Gehäuse wurde von drei auf zwei Drücker und das Kaliber von vier auf zwei (sichtbare) Komplikationen reduziert, um eine optimale Ablesbarkeit und ein klares Design zu erzielen. Diese, auch „Bicompax“ genannte Anordnung verleiht dem Chronographen nun die finale Bezeichnung. OKTAMATIC für „unendlich angetrieben“ und BICOMPAX für „zwei Komplikationen“.

 

 

 

 

 

Neben den Design-Komponenten für das Blatt steht auch eine Auswahl von Armband, Schließe und Box im Projektbuch. Wie das aussehen wird und was danach passiert, gibt es im Teil Drei dieses Special zu lesen. Bald wird sich die erste Oktamatic Bicompax mit dem ETA-Valjoux 7753 im Uhrenbeweger freilaufen. Dann wird die Uhr zum ersten Mal in ihrem Gesamteindruck präsentiert und – ganz wichtig – Peter Schulte selbst vorgestellt.

 

 

Text: Arndt Hovestadt    Fotos: Hubertus Huvermann

 

 


Der Uhrzeigersinn.


Schon gewusst? Der Aufbau des Zifferblatts ist – von der nördlichen Hemisphäre aus betrachtet – an den Lauf der Sonne angelehnt. Beim Blick nach Süden geht sie links (im Osten) auf, steht Mittags am höchsten und geht rechts (im Westen) unter. Dies erklärt den Zahlenverlauf im Uhrzeigersinn und dass die 12 oben steht.
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